Herr Specht, wo stehen wir bei der Wärmewende in Mannheim?
Mannheim ist auf einem sehr guten Weg und meint es ernst mit dem Ziel der Klimaneutralität. Die Wärmewende ist neben der Energie- und Verkehrswende ein zentraler Baustein auf dem Weg dahin. Und wir treiben sie voran. Als eine der ersten Städte haben wir eine kommunale Wärmeplanung entwickelt, die auf klimaneutral erzeugte Fernwärme und Wärmepumpen mit regenerativem Strom setzt. Mannheim verfügt über eines der größten Fernwärmenetze in Deutschland, das noch weiter ausgebaut wird. Das ist eine hervorragende Voraussetzung.
Ein klimaneutrales Mannheim – das klingt ambitioniert.
Wie kann das gelingen?
Wir müssen konsequent den Wärmesektor umbauen, denn auf ihn entfällt fast die Hälfte des Energieverbrauchs in Deutschland. Folglich hat die Wärmewende eine große Bedeutung für den Klimaschutz. MVV unterstützt uns bei unserem Vorhaben und plant, die Fernwärme in Mannheim schon bald komplett klimafreundlich zu produzieren. Die Fernwärme soll zunehmend aus verschiedenen regionalen Energiequellen kommen. Eine Flusswärmepumpe ist schon im Betrieb, bald kommt die weltweit größte Flusswärmepumpe ihrer Art mit deutlich höherer Leistung sowie Tiefengeothermie hinzu.
Was verändert die Wärmewende konkret für die Mannheimer Bürgerinnen und Bürger und wie werden sie dabei unterstützt?
Zunächst möchte ich betonen: Ohne die breite Beteiligung der gesamten Stadtgesellschaft – von Unternehmen über Vereine bis zu engagierten Einzelpersonen – können wir die Transformation, uns unabhängig von fossilen Brennstoffen zu machen, nicht schaffen. Entscheidend bei den Veränderungen ist, dass wir das wirtschaftliche Potenzial des Standorts erhalten und gleichzeitig neue Perspektiven für Wachstum aus den Vorhaben zur Klimaneutralität gewinnen. Wir haben die Prozesse frühzeitig eingeleitet und so eine Vorreiterrolle in Deutschland übernommen. Die Stadt arbeitet mit MVV aktiv daran, die Transformation für die Bürgerinnen und Bürger machbar zu gestalten. Dazu bieten wir verschiedene Instrumente: Mit unserem Klimafonds und der Klimaschutzagentur fördern wir Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimafolgenanpassung. Der persönliche Austausch, die individuelle Begleitung von Projekten und eine frühzeitige transparente Kommunikation sind zentrale Erfolgsfaktoren. Wir suchen aktiv das Gespräch mit allen Gruppen, hören zu und machen konkrete Unterstützungsangebote.

Unterstützung bietet auch die Wärmewende Akademie:
Wie profitieren die Bürgerinnen und Bürger davon?
Die Wärmewende Akademie bringt Stadt, Klimaschutzagentur, Handwerkskammern, Innungen und MVV zusammen, vernetzt so verschiedene Gewerke und unterstützt Mannheim dabei, den Umstieg auf klimaschonende Heizungen schneller und bürgerorientiert umzusetzen. Sie dient als Schulungs- und Vernetzungszentrum, in dem Fachwissen gebündelt und Handwerksbetriebe zu Technik, gesetzlichen Vorgaben, Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten und der kommunalen Wärmeplanung qualifiziert werden. So verbindet die Akademie die städtische Planung direkt mit der praktischen Umsetzung vor Ort. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet dies eine bessere Orientierung und mehr Sicherheit. Sie finden in den geschulten Handwerksbetrieben kompetente Ansprechpartner, die sich mit Fernwärme, Wärmepumpen und dem Heizungstausch auskennen.
Welche Vorteile kann das lokale Handwerk aus der Akademie ziehen?
Das lokale Handwerk profitiert in mehrfacher Hinsicht von der Wärmewende Akademie: Betriebe werden Teil eines starken, gewerkeübergreifenden Netzwerks und können sich regelmäßig mit anderen Fachleuten austauschen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Durch das umfassende Schulungsangebot vertiefen sie ihr Wissen rund um die Wärmewende – das stärkt die Beratungskompetenz und steigert letztlich die Kundenzufriedenheit. Zudem erhöht die Listung in der Online-Fachpartnersuche der Klimaschutzagentur Mannheim die Sichtbarkeit der Unternehmen und kann zu zusätzlichen Anfragen und Geschäftsmöglichkeiten führen.
Welches Signal soll von der Wärmewende Akademie ausgehen?
Die Wärmewende ist machbar – und wir organisieren sie gemeinsam und praxisnah. Wer seine Heizung modernisieren will, findet geprüfte Partnerbetriebe, klare Informationen und Ansprechpartner. Dem Handwerk signalisiert die Akademie: Ihr seid Schlüsselakteure der Wärmewende und wir bieten Unterstützung mit gezielten Schulungen, Technik zum Anfassen und einem Netzwerk.

Die Beteiligten an der Wärmewende Akademie haben auch einen Blick auf den Handwerker-Nachwuchs. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Die Wärmewende kann nur mit gut geschulten Fachkräften gelingen. Das fängt bereits bei der Ausbildung an. Aus diesem Grund haben Stadt und MVV der Heinrich-Lanz-Berufsschule sowie der Bildungsakademie des Handwerks je eine Fernwärmeübergabestation zu Schulungszwecken zur Verfügung gestellt. So können Aus- und Weiterbildung praxisnah anhand der tatsächlichen Anlagen erfolgen. Mit langfristigem Effekt: Die Qualität der Lehre steigt und es entsteht eine neue Generation besonders qualifizierter Handwerkerinnen und Handwerker.
Die Wärmewende Akademie hat ihren ersten Geburtstag gefeiert. Was wünschen Sie ihr für das zweite Jahr ihres Bestehens?
Im ersten Jahr haben bereits mehr als 90 Handwerksbetriebe die Schulungen der Wärmewende Akademie erfolgreich absolviert. Ich sehe das als deutliches Signal für einen erfolgreichen Anlauf. Für das zweite Jahr wünsche ich mir, dass die Wärmewende Akademie noch stärker von der Handwerkerschaft und den Mannheimerinnen und Mannheimern in Anspruch genommen und wertgeschätzt wird. Und dass sie weiterhin einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Wärmewende leistet, indem sie Wissen vermittelt, die Bürgerinnen und Bürger unterstützt und dabei alle relevanten Akteure zusammenbringt.