Energieberater und Photovoltaik-Experte
bei der Klimaschutzagentur Mannheim

Interview mit
Sebastian Bohnet

Für wen lohnt sich eine Photovoltaikanlage?

Für Ein- und Zweifamilienhäuser ist eine PV-Anlage in der Regel sowohl aus Klimaschutzgründen als auch wirtschaftlich sinnvoll. Bei Mehrfamilienhäusern hängt die Rentabilität von der individuellen Situation ab. Hier empfehle ich eine Einzelfallprüfung, da unter Umständen zusätzliche Investitionen nötig sind.

Was sollten Interessenten bei der Planung einer PV-Anlage besonders beachten?

Es gibt einige zentrale Punkte: Zunächst sollten die Betriebskosten über die nächsten 20 Jahre im Blick behalten werden – inklusive möglicher Reparaturen. Auch die Lebensdauer von Wechselrichter und Batterien spielt eine Rolle. Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Statik des Daches: Lassen Sie sich die Tragfähigkeit schriftlich bestätigen. Zudem sollte die Verschattung, etwa durch Bäume, bereits in der Planung berücksichtigt werden. Das gehört eigentlich zur Leistung des PV-Anbieters. Nicht zuletzt ist es ratsam, das Profil der Anlage an den eigenen Bedarf anzupassen. Bei der Kombination mit einer Wärmepumpe empfiehlt es sich, den Strombedarf monatsweise zu berechnen, da der Verbrauch nicht linear über das Jahr verteilt ist. Aktuell werden rund 90 Prozent aller PV-Anlagen mit einem Speicher verkauft, was die Eigenverbrauchsquote deutlich erhöht.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es derzeit für Photovoltaik?

Eine klassische Förderung vom Bund gibt es nicht, sondern steuerliche Vorteile: Aktuell profitieren Interessierte von einem Null-Mehrwertsteuersatz auf PV-Anlagen und Speicher. Für selbst verbrauchten Strom fällt zudem keine Stromsteuer an. Dazu kommt die Einspeisevergütung für den nicht-verbrauchten Solarstrom. Diese wird aber derzeit überprüft, hier könnte es in Zukunft Änderungen geben. In Mannheim gibt es das städtische Förderprogramm – den SolarBonus. Seit diesem Jahr liegt der Fokus auf Mehrfamilienhäusern und Vereinsgebäuden. Projekte auf Einfamilienhäusern werden nur in Sonderfällen (Fassaden, Gründächer, Denkmalschutz) gefördert. Informieren Sie sich bei der Klimaschutzagentur.

Welche Tipps geben Sie Bürgerinnen und Bürgern, die sich erstmals mit dem Thema Photovoltaik beschäftigen?

Nutzen Sie das kostenlose Beratungsangebot der Klimaschutzagentur. Unsere Beratung ist umfassend und berücksichtigt auch Themen wie Wärmepumpen oder Wallboxen. Wer eine Vor-Ort-Beratung wünscht, kann diese gegen eine Eigenbeteiligung von 40 Euro in Anspruch nehmen. Besonders in Baden-Württemberg ist es wichtig, sich über die PV-Pflicht zu informieren. Unsere Experten helfen gerne weiter, um Unsicherheiten zu klären – sei es bei der Auswahl der Dachflächen oder der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben.

Welche Besonderheiten gelten für PV-Anlagen in Baden-Württemberg?

In Baden-Württemberg gilt eine umfassende PV-Pflicht. Diese betrifft private, gewerbliche und öffentliche Bauherren. Bei Neubauten ist sie seit Mai 2022 verbindlich, bei Dachsanierungen seit Januar 2023. Das gilt auch für Parkplätze mit mehr als 35 Stellplätzen. Grundsätzlich müssen 60 Prozent der geeigneten Dachflächen belegt werden. Geeignet sind alle Flächen, die zwischen Westen und Osten ausgerichtet sind und eine Neigung von 20 bis 60 Grad aufweisen. Flachdächer und flachgeneigte Dächer bis 20 Grad gelten unabhängig von der Himmelsrichtung grundsätzlich als geeignet. 
Viele Bürgerinnen und Bürger sind aber über die PV-Pflicht in Baden-Württemberg nicht ausreichend informiert. Das führt oft dazu, dass geeignete Dachflächen nicht ausreichend genutzt oder ungeeignete Flächen – etwa nach Norden ausgerichtete Dächer – mit Modulen belegt werden. Zudem werden manchmal Dachflächen, die nicht grundlegend saniert wurden, voll belegt, obwohl erst eine Sanierung die PV-Pflicht auslöst. Bürgerinnen und Bürger können sich jederzeit an die Klimaschutzagentur wenden, um eine fachgerechte Beratung zu erhalten.
 

Mehr zur Photovoltaik
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